29.02.2024

Umbauen neu lernen: Baukultur NRW eröffnet am 14. März das UmBauLabor in Gelsenkirchen

Umbauen neu lernen: Baukultur NRW eröffnet am 14. März das UmBauLabor in Gelsenkirchen

Fehlender Wohnraum, stark sanierungsbedürftige Häuser, mehr Klimaschutz – viele Städte wie Gelsenkirchen stehen vor großen Herausforderungen. Wie lässt sich Abriss vermeiden und Umbauen neu lernen? Welche Chancen, Ressourcen und Werte stecken in einem vermeintlich abrissreifen Haus? Um diese Fragen geht es im UmBauLabor in der Bergmannstraße 23 in Gelsenkirchen-Ückendorf, das am Donnerstag, 14. März 2024, eröffnet wird. Bis Ende 2026 erprobt und diskutiert Baukultur NRW dort mit vielen Partner*innen und Gästen nachhaltiges und kreislaufgerechtes Planen und Bauen – und zwar im Maßstab 1:1. Die Ingenieurkammer-Bau NRW unterstützt das Projekt als Fachpartner.

Ein Wohn- und Geschäftshaus, dass seine Funktionen verloren hat, verwandelt sich dafür in ein UmBauLabor – als Ort für Experimente und als offener Treffpunkt zum Dialog: Akteur*innen aus Forschung, Praxis und Zivilgesellschaft öffnen Wände und Bodenbeläge, prüfen Substanzschäden, führen Schadstoffanalysen durch, überdenken Raumstrukturen und untersuchen, ob ein Erhalt oder eine Weiter- und Wiederverwendung des Materials möglich ist. Ziel ist nicht die Sanierung des Gebäudes. Stattdessen geht es darum, Perspektiven auf Gebautes zu verändern sowie Methoden für den Umgang mit ähnlichen Gebäuden, Materialien und Konstruktionen zu entwickeln. Viele Versuche werden hierfür im UmBauLabor durchgeführt, um neue Erkenntnisse für den Erhalt im Bestand zu gewinnen. Im Fokus des Projekts steht ein breitflächiger Dialog mit der Nachbarschaft und einer interessierten Öffentlichkeit. Das Umbauen wird neu gelernt und zu einem erlebbaren Experiment.


Auftakt beleuchtet den Wert des Gebäudes 

Der Auftakt am 14. März widmet sich der Frage: „Wie viel Wert steckt in diesem Haus?“ Mehrere Gesprächsrunden von 10 bis 12 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche, Bochumer Straße 115, in Gelsenkirchen betrachten den Wert des Hauses aus verschiedenen Perspektiven. Es geht um den Stellenwert des Umbauens von Gebäuden für die Stadtentwicklung speziell in Gelsenkirchen sowie um die gesellschaftliche Aufgabe von (Um)Baukultur. Zu den Teilnehmenden gehören unter anderem Karin Welge, Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, und Stephan Mayer, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. „Es ist eine zentrale Aufgabe der aktuellen Baukultur, das Umbauen zu einem allgemein diskutierten und anerkannten Thema zu machen. Was seit Langem in der Forschung und Fachwelt besprochen wird, benötigt dringend den Dialog mit der Zivilgesellschaft“, sagt Peter Köddermann, Geschäftsführer Programm von Baukultur NRW. Wie wichtig die Diskussion um den Bestand und das Um- und Weiterbauen ist, verdeutlicht auch Projektleiterin Lillith Kreiß von Baukultur NRW: „Wir müssen weg von dem Gedanken, dass Neues immer besser ist als die Arbeit in bestehenden Strukturen. Alle Materialien und Stoffe sind Wertstoffe und sollten als solche behandelt werden. Ressourcenschutz ist Care-Arbeit am Bestand.“


Ausstellung zeigt das Wahrnehmen von Gebäude und Quartier 

Im Rahmen des Auftakts können Interessierte ab 13 Uhr an Führungen durch das UmBauLabor und das Quartier teilnehmen. Die Führungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist bis zum 11. März erforderlich unter www.baukultur.nrw/auftaktumbaulabor. Darüber hinaus sind die Ergebnisse von studentischen Arbeitsgruppen im Gebäude ausgestellt. Im Wintersemester 2023/2024 haben Studierende der Technischen Universität Dortmund und der Hochschule Bochum die Materialien und die Konstruktion des Gebäudes sowie das Quartier und die nachbarschaftlichen Strukturen untersucht. Die Arbeiten sind bis zum 25. April im UmBauLabor zu sehen, Besichtigungen der Ausstellung und Führungen durch das Gebäude sind immer donnerstags von 16 bis 19.30 Uhr sowie nach Absprache möglich. Weitere studentische Analysen sind für das Sommersemester 2024 geplant, zum Beispiel von der Hochschule Münster. Santana Gumowski, Projektmanagerin von Baukultur NRW, betont, wie wichtig solche Interaktionen und Arbeiten im und um das Gebäude sind: „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir unsere Lebensräume zukünftig gestalten wollen. Das UmBauLabor als Raum zum Dialog unterschiedlicher Perspektiven bietet hierfür eine wichtige Möglichkeit.“


Von der Umbaukultur zum UmBauLabor 

Mit dem UmBauLabor beteiligt sich Baukultur NRW an der aktuellen Diskussion zum Umgang mit Ressourcen. Der Bausektor in Deutschland macht mittlerweile 40 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen aus, über 50 Prozent des Mülls werden durch Bau- und Abbruchabfälle produziert. Als Initiator des UmBauLabors verantwortet und plant Baukultur NRW das Projekt und seine Inhalte. Dazu gehören auch die Koordination und Betreuung von Untersuchungen im Gebäude und im Quartier. So wurden bereits ein Materiallager, eine Werkstatt und ein Labor als Analyseort errichtet, die u. a. Hochschulen und Initiativen zu Forschungszwecken nutzen. Das UmBauLabor ist außerdem Veranstaltungsort zur Information und Diskussion für die Umbaukultur sowie Gegenstand der Untersuchung und Auseinandersetzung mit dem Bestand. Im Laufe des Projekts betrachtet Baukultur NRW das Haus anhand von vier Bereichen: das Gebäude, das Quartier, das Material sowie politische, verwaltungstechnische und regulatorische Rahmenbedingungen. Es werden regelmäßig Nachbarschaftstreffen sowie Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen und Ausstellungen angeboten. Anfang September ist eine Summerschool zum Thema „Umbauen im Klimawandel“ geplant. Bei dem Gebäude selbst handelt es sich um ein sanierungsbedürftiges Wohn- und Geschäftshaus, das 1902 als Fleischereibetrieb und Wohnhaus errichtet wurde. Es weist einen hohen Instandhaltungsstau und erhebliche bauliche Mängel auf, weshalb die bisherige Nutzung untersagt werden musste. Das Gebäude liegt im Sanierungsgebiet „Bochumer Straße“. Dieses etwa 29 ha große Gebiet (in etwa 29 Fußballfelder) im Stadtteil Ückendorf ist geprägt von einem gründerzeitlichen Altbaubestand mit hohem Sanierungsbedarf. Mittel- bis langfristige soll sich das Gebiet zu einem kreativen Zukunftsquartiers entwickeln.

Das UmBauLabor wird vielfältig unterstützt: Die Stadt Gelsenkirchen sowie die Stadterneuerungsgesellschaft Gelsenkirchen begleiten das Konzept vor Ort und bilden gemeinsam mit der TU Dortmund, der Hochschule Bochum, der FH Münster sowie der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik das Begleitgremium. Außerdem beteiligen sich die Ingenieurkammer-Bau NRW und die Architektenkammer NRW als Fachpartner an den Experimenten.


Das Projekt UmBauLabor

Laufzeit: bis Ende 2026 

Ort: Bergmannstraße 23, 45886 Gelsenkirchen

Öffnungszeiten der Ausstellung und Führungen durch das Gebäude: 21. März bis 25. April, donnerstags von 16 bis 19.30 Uhr sowie nach Absprache

Eröffnung: Donnerstag, 14. März 2024, 10 Uhr Heilig-Kreuz-Kirche, Bochumer Straße 115, 45886 Gelsenkirchen 

Anmeldung: www.baukultur.nrw/auftaktumbaulabor

Weitere Informationen zum UmBauLabor: 

Fokusseite: https://baukultur.nrw/fokus/umbaulabor/

Pageflow: https://baukulturnrw.pageflow.io/umbaulabor