07.11.2025

Brücken gelten als die sichtbaren Wahrzeichen des Ingenieurbaus. Sie prägen Landschaften und stehen für Fortschritt. Doch der Großteil der Ingenieurbauwerke bleibt im Verborgenen – technisch, funktional, unspektakulär auf den ersten Blick. Umso beeindruckender wirken sie, wenn man genauer hinsieht. Einen solchen zweiten Blick wagten am 5. November 2025 rund zwanzig Studierende und junge Ingenieurinnen und Ingenieure aus Aachen, Köln, Münster und Detmold. Auf Einladung der Ingenieurkammer-Bau NRW besuchten sie im Rahmen des Nachwuchsprogramms START.ING. die Schleusen Rodde und Gleesen.
Baustelle Rodde: Arbeit am Fundament
Die erste Station führte zur Schleuse Rodde, wo derzeit ein Neubau entsteht. Nach einer Einführung durch Birgit Maßmann, Leiterin des Wasserstraßen-Neubauamtes Datteln, und Markus Mecking vom Projektteam Schleuse Rodde, ging es mitten hinein ins Geschehen.
Zwischen Bewehrung, Schalung und schwerem Gerät bekamen die Teilnehmenden ein Gespür dafür, wie viel Planung, Abstimmung und Präzision in ein solches Bauwerk fließen. Die gewaltigen Bewehrungskonstruktionen, die später im Beton verschwinden, machten sichtbar, was sonst verborgen bleibt: die Ingenieurkunst, die Infrastruktur trägt.
Gleesen: Wenn Bauwerke ihren Dienst tun
Nur wenige Kilometer weiter zeigte die Schleuse Gleesen, wie ein solches Bauwerk im Betrieb funktioniert. Die Anlage war erst am 24. Oktober 2025 vom Wasserstraßen-Neubauamt Datteln an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle übergeben worden. Ihre offizielle Einweihung ist für das Frühjahr 2026 geplant.
Hier erlebte die Gruppe, wie sich das Schleusenbecken füllte – ein unspektakulärer, aber präzise gesteuerter Vorgang. Keine Show, keine großen Worte – stattdessen Technik, die leise, aber zuverlässig arbeitet. Der Kontrast zu Rodde war deutlich, aber lehrreich: dort der Prozess, hier das Ergebnis.
Lernen zwischen Studium und Beruf
Begleitet wurde die Gruppe von Prof. Dipl.-Ing. Balthasar Gehlen, Vorsitzender des Ausschusses Öffentlichkeitsarbeit der IK-Bau NRW, und Dipl.-Ing. Heike Brandherm, ebenfalls Mitglied im Ausschuss. Beide betonten den Wert solcher Exkursionen: Sie schaffen Verständnis für die gebaute Umwelt – und für die Verantwortung, die Ingenieurinnen und Ingenieure tragen.
„Wer plant und baut, gestaltet unsere Umwelt – und sollte darüber sprechen können“, sagte Prof. Gehlen. „Die Kammer bietet jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren den Rahmen, sich zu vernetzen, ihr Wissen zu erweitern und das eigene Berufsbild zu schärfen.“
Damit stand nicht nur der technische Blick im Vordergrund, sondern auch die Frage, wie junge Fachkräfte ihren Beruf verstehen und vertreten
START.ING. – Ein Programm mit Perspektive
Das START.ING.-Programm der Ingenieurkammer-Bau NRW richtet sich an Studierende des Ingenieurwesens. Es bietet Einblicke in die Praxis, fördert Kontakte zu jungen Kammermitgliedern und eröffnet Wege in den Beruf. Exkursionen wie die nach Rodde und Gleesen zeigen, wie vielfältig der Ingenieurbau ist – vom Entwurf über den Bau bis zur Inbetriebnahme.
Gesprächsstoff zum Abschluss
Nach einem Tag voller Eindrücke traf sich die Gruppe in Emsbüren bei Efes Grill & Pizzeria. Bei Pizza und Getränken blieb Zeit für Gespräche über Studium, Berufseinstieg und Erfahrungen auf der Baustelle. Das Wetter spielte mit – ein goldener Herbsttag im November. Ein passender Rahmen für eine Exkursion, der den Ingenieurbau aus der Nähe zeigte: nicht als spektakuläres Bauwerk, sondern als präzise, gemeinschaftliche Arbeit, die das Funktionieren unserer Infrastruktur erst möglich macht.


















