15.09.2026

Wie lassen sich die neuen Vorschriften im Brandschutz zügig und möglichst einheitlich in die Praxis überführen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Erfahrungsaustauschs der staatlich anerkannten Sachverständigen und Prüfingenieure für Brandschutz am 9. September 2026 in Essen. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen auf Einladung der Ingenieurakademie West zusammen, um die Umsetzung der seit dem 1. September geltenden Regelungen und die daraus folgenden Verfahrensfragen zu diskutieren.
Ziel des Erfahrungsaustauschs war es, die neuen Vorgaben gemeinsam auf ihre praktische Umsetzung hin zu betrachten und Verfahrensabläufe zwischen den Beteiligten abzustimmen. Entsprechend standen weniger grundsätzliche Rechtsfragen als die konkrete Anwendung im Mittelpunkt: Zuständigkeiten, Abläufe, Kommunikation und die Frage, wie Verfahren möglichst verlässlich und einheitlich gestaltet werden können.
Udo Kirchner, Mitglied des Vorstandes der IK-Bau NRW, eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick auf rund 30 Jahre Sachverständigenwesen im Brandschutz in Nordrhein-Westfalen. Andreas Plum nahm anschließend den Verfahrensablauf in den Blick: von der Beauftragung durch die Bauaufsicht über Vollständigkeitsprüfung und Vorprüfung bis zum Vorgespräch und zum Abschluss des Verfahrens. Diskutiert wurden dabei auch der digitale Datenaustausch, Fragen der Vorbefassung und Befangenheit sowie Möglichkeiten, Abläufe stärker zu vereinheitlichen.
Wie eine solche Vereinheitlichung in der konkreten Prüfung aussehen kann, zeigte der anschließende Beitrag von Thomas Jatzek. Ein Schwerpunkt lag auf einem Muster-Prüfbericht, der an die Stelle eines starren Formulars treten und zugleich eine nachvollziehbare Struktur für die Prüfung schaffen soll. Weitere Themen waren Nachforderungen und Wiederholungsprüfungen, die Bewertung von Abweichungen sowie die klare Unterscheidung zwischen Prüfauflagen und Hinweisen. Auch hier spielte die Abstimmung zwischen Prüfingenieur, Bauaufsicht, Brandschutzkonzeptersteller und Brandschutzdienststelle eine zentrale Rolle.
Roland Eisler, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik in Nordrhein-Westfalen, stellte anschließend Struktur und Aufgaben des VPI vor. Neben der Organisation auf Landes- und Bundesebene ging es um aktuelle Arbeitsschwerpunkte des Verbands und die Interessenvertretung der Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure.
Nach der Pause richtete Prof. Dr.-Ing. Jens Upmeyer den Blick auf die Brandschutzdienststellen und die Bauüberwachung. Im Mittelpunkt standen deren Einbindung in das Prüfverfahren, Umfang und Dokumentation der Überwachung sowie der Umgang mit Abweichungen während der Bauausführung. Er machte dabei deutlich, dass eine frühzeitige Festlegung von Prüfumfang, Zuständigkeiten und Kommunikation auch für die spätere Bauüberwachung von Bedeutung ist.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Vergütung. Christian Görtzen erläuterte die maßgeblichen Regelungen und ging unter anderem auf Gebühren, Nebenkosten, Umsatzsteuer sowie die Abrechnung zusätzlicher Leistungen ein. Behandelt wurden dabei auch Fragen, die sich aus Nachprüfungen, Ortsterminen, Abweichungen und weiteren Leistungen im Prüfverfahren ergeben.
Zum Abschluss informierte Regierungsdirektor Dr.-Ing. Michael Schleich vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen über aktuelle Projekte des Ministeriums. Auf der Agenda standen unter anderem die Prüfverordnung, weitere Regelwerke im Brandschutz sowie Fragen der Anerkennung von Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren aus anderen Bundesländern.
In der abschließenden Fragerunde nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, offene Punkte mit den Referenten zu erörtern und Erfahrungen aus der eigenen Praxis einzubringen. Die intensive Diskussion zeigte zugleich, wie groß der Abstimmungsbedarf bei der praktischen Umsetzung der neuen Regelungen ist. Auch beim anschließenden Get-together wurde der fachliche Austausch fortgesetzt.
Nach den Rückmeldungen aus dem Teilnehmerkreis wurde insbesondere die Verbindung von fachlicher Einordnung, konkreten Verfahrensfragen und unmittelbarem Erfahrungsaustausch positiv bewertet. Damit hat die Veranstaltung ihr Ziel erreicht, für die praktische Umsetzung der neuen Vorschriften gemeinsame Orientierung zu schaffen und zu einer möglichst zügigen und einheitlichen Verfahrensabwicklung beizutragen.
Udo Kirchner zog entsprechend eine positive Bilanz. Der Austausch habe gezeigt, wie wichtig die unmittelbare Abstimmung zwischen Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren, Sachverständigen, Bauaufsicht, Brandschutzdienststellen und Ministerium gerade bei neuen Regelungen sei. Eine Fortsetzung des Formats soll daher nach Möglichkeit bereits im kommenden Jahr folgen.


