13.04.2026

Die Praxis ergänzt, was im Studium angelegt wird. Wie das konkret aussieht, konnten Mitglieder des Studierendenprogramms START.ING. der Ingenieurkammer-Bau NRW am 9. April auf der Baustelle des Emschertalbrückenzugs im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus der A43 erleben.
Der Emschertalbrückenzug ist ein zentrales Teilprojekt dieses Ausbaus zwischen Marl und Witten. Auf rund 28 Kilometern wird die Autobahn auf sechs Fahrstreifen erweitert, um eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Ruhrgebiet leistungsfähiger zu machen. Verkehrsbelastungen von bis zu 100.000 Fahrzeugen täglich verdeutlichen die Dimension des Vorhabens.
Im Baubüro in Recklinghausen erhielten die Teilnehmenden zunächst Einblick in Planung und Ablauf. Dabei wurde deutlich, dass der Brückenzug kein einzelnes Bauwerk ist, sondern ein Verbund mehrerer unmittelbar aufeinanderfolgender Brücken. Sie überspannen unter anderem eine Bahnstrecke, die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal. Je Fahrtrichtung entsteht so ein zusammenhängender Abschnitt von rund einem Kilometer Länge.
Auf der Baustelle selbst wurde die Komplexität des Projekts sichtbar. Gebaut wird unter laufendem Verkehr, parallel zum Betrieb von Bahn und Wasserstraße. Der Ersatzneubau erfolgt abschnittsweise: Während auf einer Seite der Verkehr geführt wird, entstehen auf der anderen Seite neue Bauwerke. Das erfordert eine präzise Abstimmung aller Beteiligten und eine Bauorganisation, die wenig Spielraum lässt.
Die Ingenieurinnen und Ingenieure vor Ort erläuterten Bauphasen, konstruktive Lösungen und die Abläufe hinter den Kulissen. Für die Studierenden ergaben sich konkrete Anknüpfungspunkte zu ihrem Studium und ein Eindruck davon, wie Planung, Ausführung und Koordination im Alltag zusammenkommen.
Begleitet wurde die Exkursion auch von Vertreterinnen und Vertretern der Kammer: Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Jörg Friemel sowie Justiziar Dr. Alexander Petschulat standen für Gespräche zur Verfügung und suchten gezielt den Austausch mit den Teilnehmenden.
Den Abschluss bildete die „Pizza-Connection“ in Herne. Das Format setzt bewusst auf einen informellen Rahmen: Studierende, junge Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Vertreterinnen und Vertreter von Vorstand und Geschäftsstelle kommen ins Gespräch, ohne Programm, aber mit Zeit für Fragen. Der Austausch über Berufswege, Erwartungen und Erfahrungen stand im Mittelpunkt.
Die Baustellenexkursion ist Teil des Programms START.ING., mit dem die Ingenieurkammer-Bau NRW Studierende frühzeitig an Praxis und Netzwerk des Berufsstands heranführt. Der Besuch an der A43 zeigt, welchen Beitrag solche Einblicke leisten können: Sie schärfen den Blick für die Anforderungen großer Infrastrukturprojekte und erleichtern den Übergang vom Studium in die Berufspraxis.


