29.10.2026

Weniger Zeit für Planung: Mitgliederbefragung zeigt Herausforderungen für Ingenieurbüros

Weniger Zeit für Planung: Mitgliederbefragung zeigt Herausforderungen für Ingenieurbüros

Längere Projektlaufzeiten, hoher Verwaltungsaufwand und eine angespannte wirtschaftliche Lage: Die Ergebnisse der bundesweiten Mitgliederbefragung 2026 zeigen, mit welchen Herausforderungen Architektur- und Ingenieurbüros konfrontiert sind. Rund 4.900 Büros haben sich an der Erhebung beteiligt.

Die Bundesingenieurkammer (BIngK) hat gemeinsam mit dem Verband Beratender Ingenieure (VBI), der Bundesarchitektenkammer (BAK) und dem AHO die Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2026 veröffentlicht. Im Mai und Juni wurden Architektur- und Ingenieurbüros zu ihren Arbeitsbedingungen und ihrer wirtschaftlichen Situation im Geschäftsjahr 2025 befragt. Nachdem bereits im Juli erste Ergebnisse zur konjunkturellen Lage vorgestellt wurden, liegt nun die Gesamtauswertung vor.

Längere Projektlaufzeiten und hoher Verwaltungsaufwand

Ein zentrales Ergebnis der Befragung: Planungs- und Bauprojekte nehmen zunehmend mehr Zeit in Anspruch. Insbesondere bei der Vergabe und Ausführung (Leistungsphasen 6 bis 8) berichten 61 Prozent der befragten Büros von längeren Projektlaufzeiten als noch vor zehn Jahren. Lediglich acht Prozent verzeichnen eine Verkürzung.

Zugleich bleibt weniger Zeit für die eigentliche Projektarbeit. Mitarbeitende in Ingenieurbüros wenden durchschnittlich 70 Prozent ihrer Arbeitszeit für unmittelbare Projektaufgaben auf. Die übrige Zeit entfällt auf nicht-projektbezogene Tätigkeiten, darunter Verwaltung und bürokratische Anforderungen.

Auch die Honorarabrechnung wurde untersucht. Demnach rechnen Ingenieurbüros durchschnittlich 45 Prozent ihrer Gesamtleistung nach den Regelungen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab. Daneben spielen insbesondere Stundenhonorare und Fixhonorare eine wichtige Rolle.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd

Die aktuellen Ergebnisse ergänzen die bereits im Sommer veröffentlichten Konjunkturdaten. Diese zeigten eine zunehmend schwankende Auftragslage: Im zweiten Halbjahr 2025 meldeten 37 Prozent der Ingenieurbüros rückläufige Aufträge, während 30 Prozent einen Anstieg verzeichneten. Als wesentliche wirtschaftliche Hemmnisse nannten die Büros unter anderem regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und den wirtschaftlichen Abschwung.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer und der Ingenieurkammer-Bau NRW, fordert angesichts der Ergebnisse verlässlichere Rahmenbedingungen, effizientere Planungs- und Vergabeprozesse sowie einen konsequenten Abbau unnötiger Verwaltungsaufgaben. Ingenieurinnen und Ingenieure müssten ihre Arbeitszeit wieder stärker für Planung und technische Lösungen einsetzen können.

Über die Befragung

Die Mitgliederbefragung 2026 wurde von den Forschungsinstituten IW Consult und Reiß & Hommerich durchgeführt. Um die Ergebnisse möglichst repräsentativ abzubilden, wurden die Antworten nach dem tatsächlichen Verhältnis von Architektur- und Ingenieurbüros sowie ihrer Verteilung auf die Bundesländer gewichtet.

Bei der Auswertung kamen je nach Fragestellung Mittelwerte, Medianwerte und durchschnittliche Zustimmungsquoten zum Einsatz. Da die Erhebungsmethodik gegenüber dem Vorjahr teilweise angepasst wurde, sind nicht alle Ergebnisse unmittelbar mit früheren Befragungen vergleichbar.

Ergebnisse der Mitgliederbefragung im Überblick

Die vollständige Auswertung der Mitgliederbefragung 2026 bietet weitere Einblicke in die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen von Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland.

>> Zur Gesamtauswertung der Mitgliederbefragung 2026