14.07.2026

Wie gelingt ein komplexes Bauprojekt im Bestand? Dieser Frage widmeten sich auf der Polis Convention Fachplaner, Architekt und Bauherrenvertreterin am Beispiel des Umbaus des Museums Kunstpalast und gaben dabei spannende Einblicke in die Zusammenarbeit hinter einem der bedeutendsten Kulturbauprojekte Nordrhein-Westfalens.
















Der Umbau des 1926 errichteten und seither mehrfach veränderten Museumsgebäudes stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion im Pumpenraum auf der Polis Convention am 7. Mai 2026. Unter der Moderation von Ralph Erdenberger (WDR) diskutierten Architekt Joachim Sieber, Bauherrenvertreterin und Architektin Beate Fleckenstein sowie Tragwerksplaner Prof. Balthasar Gehlen über die Erfolgsfaktoren dieses Projekts. Einig waren sich die drei Podiumsgäste vor allem in einem Punkt: Technisches Know-how allein reicht bei komplexen Bauprojekten im Bestand nicht aus. Entscheidend sind vor allem die menschlichen Faktoren und das Miteinander.
Kommunikation auf Augenhöhe
Für Beate Fleckenstein war der gemeinsame fachliche Nenner ein entscheidender Erfolgsfaktor: „Wir hatten das Glück bei diesem Projekt, dass wir alle eine gleiche oder ähnliche Sprache gesprochen haben.“ Joachim Sieber ergänzte, wie wichtig Vertrauen als Basis für diese Kommunikation sei: „Wenn man dann in der Lage ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren und sich die Dinge klar und präzise mitzuteilen, dann hat man schon sehr viel gewonnen. Das ist die Grundlage für die ganze Arbeit.“
Doch selbst die beste Kommunikation schützt nicht davor, dass unterwegs Fehler passieren. Gerade beim Bauen im Bestand sei es eine Illusion zu glauben, dass alles glattläuft. Entscheidend sei vielmehr, wie ein Team damit umgeht. Hier wurde Fleckenstein auf dem Podium deutlich und übte Kritik an einer verbreiteten Fehlermentalität: „Fehler müssten erlaubt sein. Man muss sie klar und transparent benennen. Die Fehlerkultur muss auch lernen und es ist wichtig zu sagen: Das ist jetzt passiert, wir gehen einen Schritt zurück und finden gemeinsam einen Weg“, so ihr Appell.
Sieber knüpfte daran an: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partnern, mit denen offen über Fehler gesprochen werden kann, sei ein großer Gewinn für jedes Projekt. Auch die Rolle der Fachplanung wurde hervorgehoben. Fleckenstein sagte: „Je tiefer ich in die Planung gehe, je mehr Fachplanerinnen und Fachplaner involviert sind und Input geben, desto mehr Sicherheit habe ich auch, um mit Unsicherheiten umzugehen.“
Der teuerste Faktor: Zeit
Aus Sicht von Prof. Gehlen liege das größte wirtschaftliche Risiko nicht im Umbau selbst, sondern in verlorener Zeit: „Das Teuerste ist nicht der Umbau, sondern die Bauzeitverzögerung, weil man an irgendeiner Stelle nicht weiterkommt.“ Sein Appell an alle Projektbeteiligten: Am Anfang eine möglichst genaue Grundlagenermittlung durchführen, um von Beginn an genau zu wissen, was vor einem liegt und von welchem Startpunkt aus man losgeht.
Was alle Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer verbindet, ist die Liebe zum Gebäude. Laut Fleckenstein steckt im Umbau viel Herzblut, und genau diese Leidenschaft sei essenziell für den Projekterfolg. Zum Abschluss rückte die markante Treppe des Museums in den Fokus, die Gehlen als echtes „Kunststück“ bezeichnete. Sie hat viele Nerven und zahlreiche Abstimmungsrunden gekostet. Am Ende aber sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden. Besucherinnen und Besucher nehmen den Raum mit der Treppe inzwischen wie ein Wohnzimmer wahr.
Der Umbau des Düsseldorfer Kunstpalasts zeigt, dass komplexe Bauprojekte weit mehr erfordern als technisches Know-how. Entscheidend sind Vertrauen, eine offene Kommunikation und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Denn am Ende ist ein Projekt nur so gut, wie das Team, das es trägt.


