01.01.2025

Traditionell blicken wir an dieser Stelle auf das, was war, ist und sein wird. Der Blick zurück neigt zum Vergleich. Wo standen wir vor einem Jahr, was hat sich verändert und vielleicht verbindet sich für den einen oder anderen damit die selbstkritische Frage: „Was habe ich erreicht?“. Für Viele ist diese Frage mit positiven Eindrücken verknüpft, im privaten wie im Geschäftlichen. In den seltensten Fällen ist dabei für die meisten „alles glatt gelaufen“ – und für manchen bedeutet diese Redewendung wohl einen Euphemismus für private Schicksals- oder geschäftliche Rückschläge, die einen bescheidenen Jahresausklang erwarten lassen. Perspektivisch verbindet sich damit die Hoffnung, es möge im neuen Jahr besser werden.
Wo stehen wir also am Ende des Jahres? – Der Blick zurück zeigt: Viele Aufgaben, mit denen wir in dieses Jahr gestartet sind, harren auch im neuen Jahr der Lösung. Im vergangenen Jahr haben wir hier auf das vorzeitige Ende der mit viel Aufbruchsstimmung verbundenen Ampel-Koalition im Bund geblickt. Die neue Bundesregierung ist im Amt. Die allgemeine Ungeduld angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage wächst in Wirtschaft und Gesellschaft. Zum Zeitpunkt, in dem diese Zeilen aufgeschrieben werden, kritisieren Berichterstattung und Kommentare, dass der angekündigte Herbst der Reformen ausgebleiben ist. Allein die unzweifelhaft bedeutende Frage der zukünftigen Alterssicherung zeigt, dass sich die Koalitionäre bereits auf der ersten großen Baustelle ineinander verhakt haben. Lösungskompetenz und der Wille zum Kompromiss sind gleichermaßen unverzichtbare Eigenschaften angesichts der vielen gleichrangigen Fragen, die es zu beantworten gilt. Im Weltmaßstab zeigt sich dies bei der Lösung geopolitischer Konflikte ebenso, wie beim Blick auf die heiße Phase des Weltklimagipfels von Belém in Brasilien dieser Tage, der traditionell vor einer Verlängerung stehend, ohne ein globales Bekenntnis zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern zu Ende zu gehen droht. So scheint es, dass uns auch im kommenden Jahr nicht die Erkenntnisprobleme drücken werden, sondern deren Lösung. Nicht umsonst zeigen jüngste Meinungsumfragen, dass das Zutrauen in die Problemlösungskompetenz politischer Entscheidungsträger immer weiter zu schwinden droht. Solche Befunde vorangestellt, ließe sich pessimistisch ganz allgemein die Sinnfrage anschließen – hat sich aber auch nicht als adäquates Instrument der Bewältigung des unübersichtlich erscheinenden Problemportfolios erwiesen. Sicherlich ist Innehalten nützlich, denn immer wieder wollen Problemlagen auf den Weg zu ihrer Lösung auf erforderliche Kurskorrekturen hin abgeklopft werden. Aber die Kraft dazu finden wir nur, wenn wir uns auch einmal an dem erfreuen, was wir geschafft haben. Der schillernde Begriff der „Achtsamkeit“, der häufig mit einer Form der Selbstrezeption verbunden wird, die eine Engführung der eigenen Gedankengänge und Empfindungen vermeidet, den Blick für eine umfassende Wahrnehmung weitet, mag dabei hilfreich sein. Pragmatisch und verkürzend gewendet könnte daraus die vertraute Erkenntnis entstehen, dass alles mit allem kausal oder weniger klar gefasst, so doch irgendwie zusammenhängt. Die sich daraus ergebende Perspektive ist nicht die des Verzagens angesichts unzählig erscheinender loser Enden, deren wechselseitige Verknüpfung unklar erscheint. Sie ist vielmehr eine Perspektive der Selbstermächtigung, solche losen Enden zu ergreifen, die in Reflexion eines großen Ganzen jedoch auf dem eigenen Feld liegen und zum Handeln einladen – durchaus mit Blick auf Erfolg. Es bleibt also dabei, dass Zupacken noch immer vor Verzagtheit geht. Das rückt einmal mehr den Pragmatismus in den Blick, der nach dem Möglichen fragt und nicht nach dem Perfekten – schön, wenn sich beides fügt, aber nicht um den Preis der Jagd nach dem Ideal. Vielleicht ist dies keine neue Erkenntnis, aber wir haben in der Kammer versucht, damit in diesem Jahr weiterzukommen. Immer im Blick behalten wollten wir dabei den Nutzen für das große Ganze, der sinnstiftend ist für den Nutzen des Einzelnen. Um beim Blick auf das große Thema der Nachhaltigkeit zu bleiben, haben wir mit unserer soeben stattgefundenen Tagung zum Nachhaltigen Planen wertvolle Impulse von hochkarätigen Referentinnen und Referenten empfangen und weitersenden können. Wir konnten anhand praktischer Planungsbeispiele und aktueller Forschungsansätze Wege des Urban Minings und zum Reuse von Modulen oder Bauteilen aufzeigen – im Bewusstsein einer deutlich zu komplizierten rahmenrechtlichen Gemengelage. Nicht zuletzt auf diesem Feld – dem der Vereinfachung von Vorschriften und - haben wir uns in diesem Jahr vielfältig und erfolgreich voran bewegt. Da waren zum einen zahlreiche Anhörungen im Landtag von Nordrhein-Westfalen, die wir mit unseren Stellungnahmen als gefragte sachverständige Institution begleitet haben. Ein kleines Stück Geschichte geschrieben haben wir in diesem Jahr mit dem mit unseren Partnern bauforumstahl und vpi in Kooperation mit der RWTH Aachen und der FH Aachen erarbeiteten EasyCode für den konstruktiven Stahlbau. Es gelang, die Essenz des Eurocode 3 aus über 1.700 Seiten auf eine gebrauchstaugliche Handreichung von 159 Seiten zu destillieren und zu erproben. Der Erfolg dieser mehrjährigen Operation spiegelt sich in der Aufnahme in den Kanon der technischen Baubestimmungen in Nordrhein-Westfalen wider. Andere Bundesländer sind zur Nachahmung aufgefordert. Damit haben wir den Planungsalltag ein Stück weit vereinfacht und gezeigt: Entbürokratisierung geht! Wir setzen auf diesem Wege fort und werden auch im kommenden Jahr unseren Beitrag dazu leisten, dass Ihre Arbeit leichter wird. Ebenso setzt die Kammer im Verbund mit den anderen Architekten- und Länderingenieurkammern bei der Digitalisierung Maßstäbe. So etwa im Erprobungsprojekt Bauwesen, bei dem wir mit dem Bayerischen Staatsministerium für Digitalisierung an der Umsetzung der bundesgesetzlichen Vorgaben zur Registermodernisierung arbeiten und in dem Projekt eine bundesweit einzigartige Pole- Position erreicht haben, die in der Empfehlung des Bundes an andere verkammerte Berufe mündet, ähnliche Datenbankprojekte wie di.BAStAI auf den Weg zu bringen, die zentrale Schnittstellenfunktionen bei der bundesweiten Digitalisierung ermöglichen. Zusammen mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hat die Ingenieurkammer-Bau die Leitungsfunktion in dem Projekt übernommen. Aber natürlich kehren wir auch unmittelbar vor der eigenen Tür. Im letzten Jahr haben wir die Absicht bekundet, unsere Digitalisierungsanstrengungen zur Verbesserung unserer Kammerserviceleistungen für Sie weiter voranzubringen. Seit März haben wir unsere digitalen Antragsstraßen für alle Formen der Mitgliedschaft in den Regelbetrieb überführt und konnten seither rund 450 Anträge nicht nur annehmen, sondern im Rahmen eines angepassten digitalen Arbeitsflusses bearbeiten. Seit dem 1. Dezember steht unseren Mitgliedern im internen Bereich unseres Web-Portals die Beantragung von Mitgliedsbescheinigungen und deren Ausstellung in Echtzeit zur Verfügung. Das spart Zeit und Geld, denn anders als bisher, entstehen für Zweit- oder Mehrfachausfertigungen aufgrund der erfolgreichen Digitalisierung keine Mehrkosten mehr – und das ist doch auch einmal eine positive Nachricht; was wird heute schon einmal preiswerter… Aber es warten weitere Aufgaben auf uns. Die Digitalisierung unserer Antragsstraßen im Sachverständigenwesen ist noch nicht fertig, freilich ist hier der Aufwand technisch ein anderer, aber hier machen wir gute Fortschritte. Insgesamt reduzieren wir weiter unsere Verwaltungsverfahren auf das notwendige Maß durch die Digitalisierung, sparen dadurch Kosten und optimieren unsere Abläufe und Angebote im Hinblick auf Qualität und Verfügbarkeit. Ebenso erfreulich entwickelt sich unsere Nachwuchsinitiative START.ING fort. Konnten wir noch im letzten Jahr von einer Verdoppelung der Mitgliederzahl berichten, ist uns dieser „Clou“ in diesem Jahr annähernd erneut gelungen. Zusammen mit unserer Akademie konnten wir die Attraktivität des Nachwuchsprogramms noch einmal deutlich erhöhen. Auch in unserer Akademie schreitet die Weiterentwicklung digitalisierter Fort- und Weiterbildungsangebote voran. Wir haben weiter in neue Technik investiert, professionalisieren didaktische Konzepte und setzen auf den Aufbau eines eigenen Qualitätsmanagements, das die Attraktivität des Programms weiter erhöhen hilft. Zusammen mit dem Veranstaltungskalender haben Sie nächstes Jahr Zugriff auf über 4.000 Angebote in der Fort- und Weiterbildung. Wir bleiben also an Ihrer Seite und versuchen wieder, Sie bestmöglich in Ihren Aufgaben zu unterstützen. Im Sinne dieser starken Partnerschaft wünschen wir Ihnen im Namen des Vorstands und aller Mitarbeitenden der Geschäftsstelle einen guten Übergang in das neue Jahr 2026.
Dr.-Ing Heinrich Bökamp,
Präsident
Christoph Spieker M.A., Hauptgeschäftsführer


